Gutmenschen und die Macht der Worte.

Der Begriff Gutmensch wurde in diesem Jahr auf den zweiten Platz unter die „Unwörter des Jahres“ gewählt. Mit dem Ausdruck Gutmensch, so die Gesellschaft für deutsche Sprache (GdfS), werde

„insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren“.

Dem Mitmenschen Gutes zu tun, jenen unter die Arme zu greifen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat, das sind tatsächlich des Menschen edelste Eigenschaften. Ohne die gelebte Solidarität, Christen nennen sie ‚Nächstenliebe‘, wäre die moderne Zivilisation undenkbar. Erst das Wissen, dass ein jeder von uns im Ernstfall nicht alleine ist, erlaubt es planend vorauszuschauen, statt nur die je am nächsten liegenden Dinge zu betrachten.

Wenn nun die GdfS behauptet, der Begriff Gutmensch diskreditiere das ethische Ideal des guten Menschen, so erklärt sie diesen zum reinen Kampfbegriff. Dabei übersieht sie geflissentlich, dass „Gutmensch“ gar nicht solche Menschen meint, die nach bestem Wissen und Gewissen Gutes tun, sondern solche, die ihre Moral zur einzigen rein gültigen erklären. Und damit nicht genug: Ähnlich wie der Ausdruck Wutbürger, so die GfdS weiter, widerspreche der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, da er das  Aushandeln gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion verunmögliche. Die GdfS argumentiert ganz, als bezeichneten „Wutbürger“ und „Gutmensch“ nicht Phänomene, die im deutschen Alltag regelmäßig zu beobachten sind. Doch „Wutbürger“ und „Gutmenschen“ existieren. Erstere sind Protestler, die alltägliche politische Interessenskonflikte zu existenziellen Kämpfen aufbauschen, und die zweiten sind nichts anderes als „Moralisten“, also Menschen die ihre eigene Moral unabhängig von allen realen Gegebenheiten verabsolutieren, und von dieser sicheren Warte auf den Rest der Welt herabschauen. Wutbürger und Gutmenschen existieren wie einst auch der „Spießer“ existierte: als polemische Zuspitzung, die gesellschaftliche Realitäten zumindest berührt.

Wenn die GdfS nun solche Polemik als demokratiefeindlich geißelt übersieht sie, dass auch der Streit zu einer funktionierenden Demokratie gehört, und sie begibt sich zugleich ganz offen auf das angebliche Niveau derer, die sie mit ihrer Wahl zum Unwort des Jahres zu treffen versucht. Mit der unhinterfragten Autorität im Nacken, die deutsche Sprache rein zu halten von unliebsamen Begriffen, spricht die im Übrigen keinesfalls demokratisch gewählte GdfS all denen, die den Begriff „Gutmensch“ gebrauchen, die Demokratiefähigkeit ab.

Noch weiter als die GfdS geht ein Memo des Deutschen Journalistenverbandes von 2006. Dort wird mit Berufung auf den WDR Journalisten Jürgen Hoppe die bis heute vielfach zitierte Behauptung aufgestellt,  dass es sich bei „Gutmensch“ um einen von Nazis geprägten Begriff handele. Er sei verballhornend von dem jiddischen „a gutt mensch“ abgeleitet, und womöglich von Goebbels persönlich benutzt worden. Mindestens aber sei „Gutmensch“ als pejorative Bezeichnung in einer Ausgabe des Stürmer von 1941 nachzuweisen. Der freie Journalist Tom Schimmeck erklärte die Vokabel „Gutmensch“ auf dem vorletzten Mainzer Mediendisput gar explizit zum „Nazi-Wort“. Dem widerspricht selbst die Gesellschaft für deutsche Sprache:

„Unser Erstbeleg zu Gutmensch stammt aus dem Jahr 1985: In der US-amerikanischen Zeitschrift Forbes wurde Gutmensch auf den damaligen Gewerkschaftsführer Franz Steinkühler (IG Metall) bezogen.“

Belege für die wilde Spekulation, Gutmensch sei von den Nazis erfunden worden, hatte schon Alan Posener im Jahre 2007 auf Welt Online eingefordert, allerdings keine Antwort erhalten.

Das ist kein Wunder. Mit ein wenig Recherchearbeit lässt sich leicht feststellen, dass in der betreffenden Ausgabe des Stürmer zwar tatsächlich gegen „wohlmeinende“, oder „gute“ Menschen gehetzt wird, und man ihnen vorwirft, hinter ihrer netten Fassade in Wahrheit eine finstere Agenda zu verfolgen. Jedoch findet  weder der Begriff „Gutmensch“ Gebrauch, noch wird dabei das Phänomen beschrieben, dass heute mit „Gutmensch“ kritisiert wird.   Ein Gutmensch ist ja alles andere als ein Mensch, der seine wahren Absichten verschleiert. Nichts läge ihm ferner. Dem Gutmenschen ist es todernst mit seiner Moralität, er ist ein Moralapostel, der auch wo seine Moral schädliche Konsequenzen zeitigen könnte, streng an ihr fest hält. Das fällt ihm leicht, denn ihm selbst geht es meist nicht schlecht, und die Konsequenzen treffen in der Regel andre weit heftiger als ihn.

Wenn trotz der klaren Faktenlage immer wieder Versuche unternommen werden, Menschen die den Begriff  „Gutmensch“ gebrauchen, mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen, weist das darauf hin, dass den so argumentierenden nicht an berechtigter Kritik an einem polemischen Begriff gelegen ist, sondern an Diffamierung. Mit Nazis diskutiert man nicht, das lernt heute jedes Kind. Gerade Liberale und Konservative, die seit Erscheinen des „Wörterbuch des Gutmenschen“ von Klaus Bittermann“ mit dem Begriff jene neuere Linke beschreiben, die sich mit Ökologismus, einem wohlfeilen Antiimperialismus, eindeutig reaktionäre Positionen zu eigen gemacht haben, können so leicht in die rechte Ecke gestellt werden.

Und dort gehören sie, so scheint es auch die Gesellschaft für deutsche Sprache zu sehen, auch hin. Immerhin impliziert auch deren Erklärung zur Wahl zum Unwort des Jahres 2012, dass wer den Begriff Gutmensch benutzt, sich außerhalb des demokratischen Konsens stellt. Man könnte dieses Spiel nun immer weiter spielen. Die GdfS, die sich anhand eines Wortes anmaßt zu erklären, die Grenzen des Demokratischen abzustecken, der Demokratiefeindlichkeit zu zeihen wäre ein leichtes. Aber sicher falsch: Immerhin hat die GdfS in der Vergangenheit etwa durch die Auszeichnung von Begriffen wie „sozialverträgliches Frühableben“ tatsächlich einen wertvollen Beitrag geleistet, wenn es darum geht, aus menschenfeindlichen Sprachgebrauch hinzuweisen. Doch selten ist der Sprachgebrauch das Problem, fast immer ist es das Denken, das dahinter steht. Vielleicht ist „Gutmensch“ tatsächlich ein Begriff, der die Feinbestimmung leicht, und die Debatte schwierig macht? Eine Debatte, die doch darum kreisen müsste, wessen Denken problematischer ist. Das derer, die einen bestimmten Charaktertypus als Gutmenschen bezeichnen? Oder doch das der, in Ermangelung eines anderen Begriffes: Gutmenschen?

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„Jeder von uns hat nur eine Aufgabe zu lösen: sich selbst voll zum Ausdruck zu bringen“ Oscar Wilde, Irischer Schriftsteller, geboren am 16. Oktober 1854 in Dublin und gestorben am 30. November 1900 in Paris.

Was sich hier auf den ersten Anschein so unerhört egoistisch anhört, ist nichts anderes als die Aufforderung darüber zu reflektieren, wer man selber ist und was die eigene Persönlichkeit ausmacht. Der Dichter und Philosoph Oscar Wilde fordert auf, über sich selber nachzudenken und das Ergebnis dieses Reflektionsprozesses auch vollständig umzusetzen. Dabei ist es selbstverständlich, dass der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit niemals auf Kosten eines anderen zustande kommen darf. Wenn jeder die Aufgabe hat, sich selber voll zum Ausdruck zu bringen, darf die Verwirklichung der Individualität der eigenen Freiheit also nur soweit gehen, wie dadurch die Freiheit des anderen nicht einschränkt wird.

Die Freiheit zur Entfaltungsmöglichkeit bedingt demzufolge eine gegenseitige Rücksichtnahme. Wir müssen also zwischen gesundem Egoismus – der Selbstliebe der eigenen Individualität – und dem kranken Egoismus – der rücksichtslosen Verwirklichung der Persönlichkeit – differenzieren.

Indem Wilde die Selbstentfaltung als die einzige Aufgabe definiert, die es für den Menschen zu lösen gilt, erhebt er den Anspruch alle Lebensbereiche der Selbstverwirklichung unterzuorden. Denjenigen die befürchten, dass auf der Suche nach dem inneren Kern der eigenen Persönlichkeit eine machtvolle Individualität zu Tage bringen treten könnte, weiß Wilde zu beruhigen. Der irische Dichter war davon überzeugt, dass „die wahre Persönlichkeit des Menschen wundervoll sein wird, wenn Sie in Erscheinung tritt“. Genau das kann als als allgemeingültige Maxime gelten, die es ermöglicht , innerhalb einer Gesellschaft friedlich und harmonisch miteinander zu leben.

evangelisch.de

„Der Mensch hat sehr früh eine Empfindung von dem, was recht ist.“   Immanuel Kant Deutscher Philosoph, geboren 22. April und gestorben 12. Februar 1804 in Königsberg

Immanuel Kant ordnet jedem Menschen die Fähigkeit zu,  schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt  seines Lebens über Recht und demzufolge auch über Unrecht  urteilen zu können.

Er spricht von einer „Empfindung“, also  einem Gefühl, welches sich bei jedem Menschen schon in der ersten Entwicklungsphase des Lebens einstellt.  Da Kant diese „Empfindung“ jedem von uns ohne Ausnahme zuspricht, muss die Entwicklung des Rechtsempfindens daher unabhängig von den jeweiligen individuellen Lebens- und Entwicklungsumständen sein. Eine Erziehung und individuelle Erfahrungen kann also das Rechts- beziehungsweise das Unrechtsempfindenempfinden eines Menschen daher  nur fördern oder im umgekehrten Falle unterdrücken.  Da es ein Gefühl ist,  ist es schwerlich auslöschen, solange der Mensch in der Lage ist noch irgendetwas  zu empfinden.

Mit dieser in jedem von uns tief verankerten Emotion geht  Kant von dem grundsätzlich Gutem im Menschen aus. Für den Königsberger Philosophen besteht kein Zweifel, dass durch  Gott  jedem Menschen die Fähigkeit gegeben ist, recht zu handeln. Wer sich unrecht verhält, vergeht sich demzufolge nicht nur an anderen, sondern vor allem auch an sich selber.  Es liegt also in jedem Menschen,  sein vorhandenes Gefühl – seine existierende Fähigkeit – zu erforschen, um auf dieser Ebene  zu entscheiden – und zu agieren.  Die Abwägung von rationalen und objektiven Argumenten von Für und Wider einer Entscheidung ist  dabei nur ein Teil eines Entscheidungsprozesses. Der andere Teil ist, sich von dem im jedem Menschen vorhandenen inneren Gefühl leiten zu lassen, was Recht ist. So gesehen gibt es immer eine richtige Entscheidung. Die Voraussetzung ist jedoch, sich nicht nur rational zu verhalten und seines Verstandes zu bedienen, sondern  auch  auf seine Gefühle zu hören.

evangelisch.de

erschienen am 29.11.2011 auf Welt Online.

Vor gerade zwei Jahren unterzeichnete Bundespräsident Wulffnoch die von der schwarz-gelben Regierung beschlossene notwendige Laufzeitverlängerungen für neuere Atomkraftwerke. Notwendig, weil „Erneuerbare Energien“ noch auf absehbare Zeit nicht nennenswert zur Energiebilanz der Bundesrepublik beitragen werden, und Atomkraft somit die einzige effizient nutzbare ökologische Alternative zur ungeliebten Kohlekraft ist. Und auch, weil der Abschied von der Atomkraft mitnichten ein Abschied von der Atomkraft ist, sondern Deutschland in die Abhängigkeit von ausländischen Reaktoren treibt.

„Deutsche Atomkraftwerke sind sicher“, war man sich nach einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Gutachten 2010 weitgehend einig. Nach dem Reaktorunfall 2011 in Fukushima konnte es mit dem Atomausstieg plötzlich gar nicht schnell genug gehen. Was hatte sich geändert? An der Sachlage nichts, allein die öffentliche Meinung war umgeschwenkt.

Eine formal aufgespaltene Einheitspartei regiert

Das ist symptomatisch. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ bemerkte kürzlich, Angela Merkel stehe „für einen Stil des Regierens (…), den es vor ihr in Deutschland nicht gegeben hat. (…) Angela Merkel setzt Volksstimmungen um, sie ist keine Leitwölfin, eher ein Fisch im Schwarm“. Ein fragwürdiges Verständnis von Regierung. Es drängt sich immer mehr der Eindruck auf, Deutschland werde von einer nur formal aufgespaltenen Einheitspartei regiert, und der Moralismus der Grünen treibe diese Einheitspartei vor sich her.

Auch beim Mindestlohn wird dieses Spiel gespielt. Stets wusste man, dass ein flächendeckender Mindestlohn nicht das angestrebte Ziel einer besseren Bezahlung aller Arbeitnehmer erreichen würde. Eine maßgebliche Metastudie der amerikanischen Arbeitsmarktforscher David Neumark und William L. Wascher, die 86 Studien zum Thema auswertete, kam etwa zu dem Ergebnis, dass ein Mindestlohn unqualifizierte Arbeitskräfte, die bisher noch Anstellung finden, rigoros vom Markt verdrängen würde.

Doch kaum formiert sich Widerstand auf der Straße, kaum rotten sich die Wutbürger zusammen, heißt es: „Wir wollen eine Lohnuntergrenze, und zwar … für diejenigen, die nicht von einem Tarifvertrag heute erfasst sind“ Positionen, die bisher nur in der SPD denkbar waren, werden in der CDU über Nacht mehrheitsfähig: „Sorry, Mom, the mob has spoken“ (The Simpsons). Dabei hat das Eintreten für einen Mindestlohn vor allem moralische Gründe. Um nominell für Gerechtigkeit zu einzustehen, nimmt man in Kauf, dass Arbeiten, die bisher in Deutschland von niedrig qualifizierten erledigt wurden, ganz ins Ausland abwandern.

Die SPD geht zunehmend in diesem Einheitsbrei auf. Unter Sigmar Gabriel und Andrea Nahles polemisiert sie gegen Programme, die sie Teils noch selbst mit auf den Weg gebracht hat. Man spielt auf der Klaviatur politischer Korrektheit, versucht, es der Form nach allen Recht zu machen, und steht in Wahrheit für nichts ein als für sich selbst.

Kollektive Verwirrung über „unsere“ Demokratie

Kollektive Verwirrung hat eingesetzt bezüglich dessen, was „Demokratie nach westlichem Vorbild“ eigentlich bedeutet. Unsere Demokratie ist aus gutem Grund ein repräsentatives System, in dem sich die gewählten Volksvertreter in relativer Autonomie vom spontanen Volkswillen bewegen. Auch einen Fraktionszwang gibt es nicht.

All das zusammen gewährleistet überhaupt, dass verantwortungsvolle Regieren möglich bleibt. Nur in einer repräsentativen Demokratie können unterschiedliche Positionen vertreten werden, ist Streit möglich. Im Spiel widerstreitender Interessen kann Entwicklung gedeihen. Eine Regierung, die sich stets dem populistischen Volkswillen beugt, öffnet einem Totalitarismus des herrschenden Meinens Tür und Tor.

Der römische Philosoph Seneca sagte schon vor knapp 2000 Jahren: „Man sollte sein Streben danach ausrichten, was das beste Handlungsziel ist und nicht nach dem, was allgemein üblich ist. Die Masse war schon immer der schlechteste Übersetzer der Wahrheit“. Und damit hat er Recht.

Die Bevölkerung fühlt diffus links, und denkt diffus Grün. Das ist der allgemeine Tenor der Berichterstattung, und auch die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten tragen dem längst umfassend Rechnung. Der Staat wird immer mehr zu einer Blockflötendemokratie neuen Typs. Man hört zu, welche Melodien auf der Straße gepfiffen werden, und spielt diese dann nach, so schief sie klingen mögen. Was von Politik bleibt ist der Wille zur Macht, oder präziser: Der Wille an der Macht zu bleiben.

Die Grünen dirigieren

Allein den Grünen kann man derzeit nicht vorwerfen, in den allgemeinen Chor einzustimmen. Die Grünen dirigieren, auch ohne in nennenswerten Positionen an der Macht zu sein. Bis ihr Höhenflug im Zuge der sich verschärfenden europäischen Schuldenkrise gestoppt wurde, wurden die Grünen schon als sie neue Partei des Bürgertums gehandelt, als moderner Ersatz für die „abgewirtschaftete“ FDP. Doch so sehr sich die Partei seit ihren Gründungstagen gewandelt haben mag, in all ihren politischen Vorhaben kommt eine fundamentale Missachtung bürgerlicher Freiheitsrechte zum Ausdruck.

Sei es die Unterstützung der Blockade des längst beschlossenen Bauvorhabens Stuttgart 21, seien es die wahnwitzigen Pläne für ein Tempolimit von 30 km/h auf Berliner Straßen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Denkverboten die mit den von dem Antidiskriminierungsgesetzen einhergehen, hinter dem die Grünen wie ein Mann stehen. Wo andre ihr Fähnchen nach dem Wind hängen, haben die Grünen ihres in Beton gegossen. Die Grünen mögen sich zur bürgerlichen Partei gemausert haben, eine liberale Partei sind sie nicht.

Leider hat auch die FDP sich zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert. Er werde „keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem nicht ein neues, faires Steuersystem verankert ist“, erklärte Guido Westerwelle gegenüber dem „Spiegel“ am 17. August 2009. Den Koalitionsvertrag unterschrieb er bekanntlich auch ohne auf ein faires Steuersystem zu bestehen. Und statt, wie es nahe gelegen hätte, das Finanzministerium zu besetzen suchte er seine Meriten auf internationalem Parkett zu verdienen. Trübe Aussichten.

Politiker sind nicht die Verkörperung des Volkswillens

Was wäre also zu tun? Politiker und Parteien hätten sich darauf zu besinnen, dass sie die Repräsentanten, nicht die Verkörperung des Volkswillens sind. Wer versucht, für alle zu sprechen, wird am Ende alle gängeln. Im Falle der FDP hieße das, sich endlich wieder auf liberale Grundtugenden zu berufen. Im Mittelpunkt steht die Freiheit jedes Einzelnen, sich ungehindert zu entfalten, so lange er niemand anderem dabei Schaden zufügt.

Der Staat soll auf seine hoheitlichen Aufgaben beschränkt werden. Unternehmer müssen gestärkt werden, die Bedeutung des Mittelstandes für eine offene Gesellschaft muss gewürdigt werden. Auf lange Sicht wird es wichtig sein, mit einem klaren Programm und mit unbestechlicher Beständigkeit zu überzeugen. Nur so wird man sich gegen die Wendehälse, von denen sich die Nichtwähler mit Recht schon vor langem enttäuscht abgewandt haben, durchsetzen.

„Was man von der Minute ausgeschlagen hat, gibt keine Ewigkeit zurück“

Johann Christoph Friedrich von Schiller, deutscher Dichter und  Philosoph, geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar; gestorben 9. Mai 1805 in Weimar

Friedrich Schiller appelliert daran,  dass die Menschen  ihre Lebenszeit nutzen und  nicht verplempern sollen. Es ist ein Aufruf, die Zeit wertzuschätzen und zu erkennen, dass sie angesichts eines auf durchschnittlich 80 Jahre begrenzten Menschenlebens knapp ist. Es ist die Erinnerung daran, dass einmal verlorene Zeit nicht wiederkommt und unwiederbringlich für alle Ewigkeit verloren ist.

Schiller spricht auch davon, dass man der Minute etwas „ausschlägt“. Etwas auszuschlagen bedeutet ein Angebot nicht anzunehmen. Jede Minute des Lebens beinhaltet also ein Angebot etwas Sinnvolles zu tun, welches zur Bereicherung des eigenen Lebens beiträgt. Zeit an sich ist also etwas sehr Lebendiges, wenn man sie sinnvoll zu nutzen weiß. Doch diese Lebendigkeit, dieses aktive Angebot zu SEIN und zu LEBEN wird heute von vielen Menschen als Bedrohung angesehen. Um der  vermeintlichen Bedrohung zu entgehen werden Vermeidungsstrategien entwickelt. Als  beliebtestes Instrumentarium hat sich dabei in unserer heutigen westlichen Gesellschaft das stumpfe Berieselnlassen durchs Fernsehen entwickelt. Oder schlimmer noch, das bei Jugendlichen immer beliebter werdende Komasaufen.

Im  allgemeinen Sprachgebrauch heißt es dann, man wolle sich „die Zeit vertreiben“ oder die Zeit gar  „totschlagen“. Die Deutlichkeit der Wortwahl des „Totschlagens“ zeigt die Dimension der Ängste an, die Zeit nicht sinnvoll nutzen zu können. Wer die Zeit totschlagen will, offenbart seine Unfähigkeit, sich des sinnvollen Angebots einer jeden Minute bewusst zu werden.  Schillers Analyse ist  da gleichzeitig auch die Lösung: Es kommt darauf an, den Menschen die Endlichkeit des Lebens vor Augen zu führen, um sie dann entscheiden zu lassen, ob sie  die begrenzte Anzahl von Minuten sinnvoll nutzen  oder sie sinnlos verstreichen lassen wollen.

siehe auch: evangelisch.de

 

Die Mehrzahl der Kommentare zum Artikel „Neid und Antisemitismus in der Occupy-Bewegung“ war erschreckend. Gerade im Kommentarbereich der WELT hätte man nicht erwartet, eine solche Menge an relativierenden und offen antisemitischen Positionen zu lesen. Daher nochmal eine kurze Replik:

Liebe Kommentierende auf welt.de

1- In Herrn Mansfelds Artikel ging es schlicht nicht um die Frage, ob es Antisemitismus unter Unternehmern, oder in der FDP gibt. Warum also wird diese Frage aufgeworfen? Nicht die FPD zieht derzeit mit fragwürdigen Parolen durch deutsche Straßen, sondern die Occupy Bewegung. Deshalb, und nicht, weil sie den Status der Banken im Wirtschaftssystem angreift, wurde sie kritisiert. Dass der Autor die Wut der Protestierenden nachvollziehen kann, Teile der Kritik sogar teilt, sollte aus dem Artikel ersichtlich werden

2.) Es wurde wiederholt laut, dass der Artikel alle Protestierenden mit Nazis vergleiche. Offenkundig geschieht das nicht. Es wurde darauf hingewiesen, dass Teile der Bewegung Parolen skandieren, die sich im Inhalt (!) (und nicht nur der Form nach) wenig von solchen der Nationalsozialisten unterscheiden. Man täte gut daran, sich von solchen Mitstreitern zu distanzieren, anstatt dadurch, dass man sich mit gemeint sieht, sich ihnen noch mehr anzunähern.

3.) Unzählige Kommentare sagten dem Wortlaut nach, die Protokolle erklärten ‚doch so einiges zur aktuellen Weltlage‘ (oder ähnliches dieser Art). Nachdem ich mich durch alle 109 Kommentare gelesen habe, bin ich von dem Inhalt des Artikels überzeugter als zuvor. Er hat einen Nerv getroffen, soviel ist sicher.

sh

gleichzeitig veröffentlicht auf welt.de

Sie geben an, für „99%“ der Bevölkerung zu sprechen und brachten deutschlandweit bisher noch nicht einmal ein Promille der Bevölkerung auf die Straße. Am vergangenen Wochenende gelang es dem deutschen Ableger von „Occupy Wallstreet“ nun, unter dem Motto „Banken in die Schranken“ zusammen mit immerhin 9000 Gleichgesinnten das Frankfurter Bankenviertel zu „umzingeln“. Für die Bewegung muss das als großer Erfolg gewertet werden, eint die Protestierenden hierzulande bisher doch vor allem das Bedürfnis nach Gemeinschaft. (weiter bei welt.de)

„Der Faulpelz hat viele Helfer.“

(Leo Tolstoi)

Würde die Faulheit eines Menschen nur sein eigenes Leben betreffen, ohne Konsequenzen für den Rest der Gesellschaft zu entfalten, gäbe es keinen Grund…

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